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Sekretmanagement Technik

PAP on Pause: Warum BiWaze Cough zwischen den Hustenstößen nicht einfach auf null geht

Zwischen zwei Hustenzyklen hält der BiWaze Cough in der Pausenphase einen positiven Atemwegsdruck aufrecht. Was hinter der Funktion steckt, wie sie sich in den Therapiezyklus einfügt und was die technischen Daten tatsächlich aussagen.

8. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
Bezieht sich auf: ABM BiWaze Cough
Inhalt (5)
  1. Das Problem zwischen zwei Hustenstößen
  2. Was die Funktion macht
  3. Was am Gerät sichtbar und einstellbar ist
  4. Warum das nicht nur Komfort ist
  5. Was BiWaze Cough nicht verspricht
Schematischer Druckverlauf eines BiWaze-Cough-Zyklus: Pause mit gehaltenem positivem Druck, Insufflation mit Überdruck, unmittelbares Umschalten auf Unterdruck in der Exsufflation, danach wieder Pause über null.

Das Problem zwischen zwei Hustenstößen

Mechanische Insufflation-Exsufflation (MI-E) arbeitet in Zyklen. Beim BiWaze Cough besteht jeder Zyklus aus drei Phasen: einer Pause, der Insufflation, in der Luft mit Überdruck in die Lunge gegeben wird, und der Exsufflation, für die das Gerät unmittelbar auf Unterdruck umschaltet, um Luft und Sekret herauszuziehen [1]. Eine Behandlung umfasst meist mehrere solcher Zyklen hintereinander, getrennt durch die Pausen [1].

Für die praktische Anwendung ist diese Pause mehr als eine technische Randnotiz. Fällt der Druck zwischen zwei Hustenstößen auf Umgebungsdruck zurück, kann die Lunge kurzzeitig an Volumen verlieren, noch bevor die nächste Insufflation beginnt. Gerade bei Patienten mit eingeschränkter Atemmuskulatur, etwa bei neuromuskulären Erkrankungen, ist das kein beliebiger Nebeneffekt.

Genau für diese Phase bietet der BiWaze Cough die Funktion „PAP on Pause“ (PAP: positiver Atemwegsdruck) [1][2]. Dabei bleibt während der Pause zwischen den Hustenzyklen ein positiver Atemwegsdruck erhalten.

Was die Funktion macht

Der BiWaze Cough hält in der Pause zwischen zwei Hustenzyklen einen positiven Atemwegsdruck aufrecht [1]. Dadurch soll das Lungenvolumen zwischen den Hustenstößen stabilisiert und ein unnötiger Abfall des Lungenvolumens vermieden werden [2].

Technisch wird das durch ein Dual-Blower-System ermöglicht: Zwei getrennte Gebläse erzeugen unabhängig voneinander den positiven und den negativen Luftstrom [1]. Weil Über- und Unterdruck nicht von ein und demselben Gebläse kommen, lässt sich der Druck in der Pause gezielt halten [2].

Eine vom Hersteller durchgeführte Bench-Studie an einem technischen Modell beschreibt darüber hinaus eine konsistente Oszillation (Schwingung von Druck und Flow) über den Therapiezyklus hinweg, sowohl während der Insufflation als auch während der Exsufflation [2]. Die Aussage stammt aus der Bench-Messung und ist als Mechanismus zu lesen, nicht als belegte klinische Wirkung am Patienten.

Für die Sekretmobilisation sind solche kontinuierlichen Druck- und Flowveränderungen interessant: Wiederholte mechanische Impulse können auf das Sekret einwirken und dessen Fließeigenschaften beeinflussen. Als möglicher Mechanismus wird dafür die Thixotropie diskutiert, also dass sich zähes Sekret durch wiederholte Bewegung vorübergehend verflüssigt. Für den BiWaze Cough selbst ist das nicht untersucht; es ist eine physiologische Überlegung, keine Herstelleraussage.

Was am Gerät sichtbar und einstellbar ist

Am Touchscreen des BiWaze Cough werden die drei Phasen des Zyklus, Pause, Insufflation und Exsufflation, mit ihren Druck- und Zeitwerten dargestellt [1]. Damit wird auch die Pause zwischen den Hustenzyklen sichtbar und nachvollziehbar.

Eingestellt werden Pausendruck (0 bis 15 cmH₂O) und Pausenzeit (0 bis 5 Sekunden, im Auto-Modus) [1]. Ist der Inspirationstrigger aktiv, ersetzt er die feste Pausenzeit: Das Gerät wartet in der Pause, bis der Patient selbst einatmet, und startet erst dann die Insufflation [1]. Welche Werte im Einzelfall sinnvoll sind, gibt die Gebrauchsanweisung nicht pauschal vor. Maßgeblich sind die Zielsetzung der Therapie sowie die individuelle Reaktion und Verträglichkeit des Patienten.

Warum das nicht nur Komfort ist

Im Vordergrund der Funktion steht nicht der Komfort, sondern die Atemmechanik: Durch das Aufrechterhalten eines positiven Drucks in der Pause soll das Lungenvolumen zwischen den Hustenstößen stabilisiert und ein abruptes Abfallen des Drucks vermieden werden [1][2]. Ein gleichmäßigerer Druckverlauf kann zusätzlich zu einer angenehmeren Wahrnehmung der Therapie beitragen.

PAP on Pause ersetzt keine der übrigen Einstellungen, sondern ergänzt sie. Inspirations- und Exspirationsdruck, die Zeiten der einzelnen Phasen sowie die Oszillation bleiben die zentralen Parameter, die über den individuellen Therapieerfolg bestimmen. Die Pausenfunktion wirkt ausschließlich in der Pause zwischen den Hustenzyklen.

Was BiWaze Cough nicht verspricht

Die Dokumentation beschreibt diese Funktion als unterstützend für die Stabilisierung des Lungenvolumens zwischen den Hustenstößen, nicht als Garantie für ein bestimmtes Behandlungsergebnis [1]. Ebenso wenig ersetzt die Pausenfunktion die Einschätzung des Behandlungsteams, ob MI-E bei einem konkreten Patienten überhaupt indiziert ist. Der BiWaze Cough ist laut Indikation für Patienten vorgesehen, die wegen eines reduzierten Hustenstoßes nicht wirksam husten oder Sekret abhusten können, etwa bei hoher Querschnittlähmung, neuromuskulären Erkrankungen oder schwerer Erschöpfung bei Lungenerkrankung [1]. Die Entscheidung über Einsatz und Einstellung bleibt bei der behandelnden Fachkraft.

Häufige Fragen

Muss PAP on Pause bei jedem Patienten aktiv sein?

Die Gebrauchsanweisung nennt keine pauschale Vorgabe für jeden Anwendungsfall; der Pausendruck lässt sich von 0 bis 15 cmH₂O einstellen [1]. Ob und wie die Pausenphase in das individuelle Therapieprogramm integriert wird, entscheidet die verordnende Fachkraft entsprechend der jeweiligen Patientensituation und dem Therapieziel.

Verändert die Pause die Dauer des gesamten Zyklus?

Ja, die Pausenzeit ist ein eigener Einstellwert (0 bis 5 Sekunden im Auto-Modus) und zählt zur Dauer jedes Zyklus [1]. Mit aktivem Inspirationstrigger richtet sich die Pause dagegen nach der Einatmung des Patienten. Die Gesamtdauer einer Behandlung ergibt sich aus den individuell eingestellten Zeiten und der Zahl der Zyklen.

Ist das dasselbe wie CoughCue?

Nein. PAP on Pause beschreibt den Druck in der Pause zwischen den Hustenzyklen. CoughCue dient der Synchronisation der Therapie mit der Atmung des Patienten. Beide Funktionen gehören zum selben Gerät, verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele.

Kann ich den Effekt der Pause am Display ablesen?

Die laufende Phase des Therapiezyklus und der entsprechende Druckverlauf sind am Touchscreen sichtbar. Ob die gehaltene Pause beim jeweiligen Patienten tatsächlich den gewünschten therapeutischen Effekt erzielt, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Dafür bleiben die klinische Beobachtung und die individuelle Beurteilung des Patienten maßgeblich.

Quellen

[1] BiWaze Cough User Manual (EU, multilingual), Abschnitte zu Therapiezyklus, PAP on Pause, Dual-Blower-System und Indikation

[2] Malone, P., & DiBlasi, R. (2022). BiWaze Cough System – A bench study evaluation and comparison of cough efficiency (Rev. 2.0). ABM Respiratory Care.

Hinweis

Dieser Artikel dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Entscheidung. Angaben zu Geräteeinstellungen sind Orientierung; maßgeblich sind die Gebrauchsanweisung des jeweiligen Geräts und die Beurteilung der behandelnden Fachkraft.

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