Die Verwechslung, die am Bett passiert
Im Stationsalltag werden Geräte für Sekretmanagement schnell in einen Topf geworfen: "was mit Husten macht". Das ist verständlich, aber ungenau, und es kann zur falschen Auswahl führen. BiWaze Cough und BiWaze Clear stehen beide in Porta Medicals Portfolio für Sekretmanagement, verfolgen aber unterschiedliche Wirkprinzipien. Wer eine Patientin mit rein muskulär bedingtem Hustendefizit an ein Gerät für Lungendehnung setzt, oder umgekehrt, setzt am eigentlichen Problem vorbei an.
Dieser Artikel legt die beiden Mechanismen nebeneinander, so wie sie in den jeweiligen Gebrauchsanweisungen und der technischen Vergleichsstudie beschrieben sind, und zeigt, woran sich am Bett unterscheiden lässt, welches Gerät zur Situation passt.
BiWaze Cough: Unterstützung, wenn der Hustenstoß selbst fehlt
Was man am Gerät tut: Man wählt den MI-E-Zyklus (mechanische Insufflation-Exsufflation, das schrittweise Einblasen und dann rasche Absaugen von Luft) und startet ihn, wenn die Patientin oder der Patient selbst keinen wirksamen Hustenstoß mehr erzeugen kann.
Warum das funktioniert: BiWaze Cough ist laut Gebrauchsanweisung für Patientinnen und Patienten bestimmt, die nicht wirksam husten oder Sekret abhusten können, weil ihr Hustenspitzenfluss reduziert ist, etwa infolge hoher Querschnittlähmung, neuromuskulärer Erkrankungen oder schwerer Erschöpfung bei Lungenerkrankungen [1]. Das Gerät arbeitet nach dem MI-E-Prinzip: Es baut schrittweise einen positiven Druck in den Atemwegen auf (Insufflation, das Einblasen von Luft) und wechselt dann rasch zu negativem Druck (Exsufflation, das aktive Absaugen der Luft) [1]. Dieser schnelle Druckwechsel simuliert mechanisch, was ein kräftiger Hustenstoß physiologisch leisten würde: Sekret wird aus den tieferen Atemwegen in Richtung Mund transportiert.
Technisch arbeitet BiWaze Cough mit zwei getrennten Gebläsen: eines treibt den Einatem-, das andere den Ausatemstrom an [2]. Davon zu unterscheiden ist der Schlauch: Standardmäßig wird ein Einzelschlauch verwendet. Wer Einatemluft und ausgehustetes Sekret auch im Schlauch trennen will, nutzt den Dual Lumen Breathing Circuit, ein separates Zubehör [1] (mehr dazu im Artikel Dual Lumen Breathing Circuit: jetzt CE-gekennzeichnet in Europa).
Eine Zusatzfunktion, PAP on Pause (eine Druckhaltephase zwischen Insufflation und Exsufflation), hält laut derselben Vergleichsstudie während einer kurzen Pause einen sanften Druck aufrecht, um das Lungenvolumen zwischen den Hustenzyklen zu stabilisieren [2]. Das Gerät liefert außerdem laut dieser Studie konsistente Oszillationen (Schwingungen) über beide Atemphasen, die die Sekretbewegung unterstützen sollen [2]. Die Studie ist eine von ABM veröffentlichte Prüfstandsmessung (Seattle Children's Hospital) an einem Lungenmodell, keine klinische Untersuchung an Patientinnen und Patienten; sie beschreibt, was das Gerät technisch leistet, nicht, welchen klinischen Effekt das im Einzelfall hat.
BiWaze Clear: Lungendehnung, Sekretmobilisation und Aerosol in einem Gerät
Was man am Gerät tut: Man startet den OLE-Zyklus (oszillierende Lungendehnungstherapie), bei dem zunächst gedehnt und danach in Schwingung versetzt wird.
Warum das funktioniert: BiWaze Clear setzt an einer anderen Stelle an als BiWaze Cough. Laut Gebrauchsanweisung ist es indiziert zur Mobilisation von Sekret, zur Lungendehnungstherapie sowie zur Behandlung und Vorbeugung von pulmonaler Atelektase, und kann bei Anschluss an komprimierten Sauerstoff zusätzlich Sauerstoff verabreichen [3]. Das Wirkprinzip heißt Oszillierende Lungendehnungstherapie (OLE): Das Gerät liefert laut Herstellerangabe drei Therapien in einem Gerät, Lungendehnung, Sekretmobilisation und Aerosoltherapie [3].
Der Ablauf, wie ihn die Gebrauchsanweisung beschreibt: Zunächst wird die Lunge durch positiven Atemwegsdruck (PEP, "Positive Expiratory Pressure") gedehnt, direkt danach setzt die Oszillationstherapie (OSC) ein [3].
BiWaze Clear ist außerdem mit einem integrierten Vernebler ausgestattet (Aerogen-Vibrationsmembranvernebler), der Aerosol mit kontinuierlichem positivem Druck kombiniert, um Sekret zu verflüssigen und die Atemwege zu weiten [3]. Zur Trennung der Atemwege verwendet das Gerät den Dual Lumen Breathing Circuit, der Ein- und Ausatemweg trennt; er gehört bei BiWaze Clear zum Lieferumfang [3].
Ein Punkt, der die Marktzulassung betrifft: Die Gebrauchsanweisung beschreibt die Verneblung mit Kochsalzlösung [3]. Welche weiteren Medikamente vernebelt werden dürfen, regeln die jeweils gültige Gebrauchsanweisung des Marktes und die Zulassung des Medikaments. Im Zweifel beraten wir gern. In der Akutversorgung kann BiWaze Clear zudem in-line an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden, im häuslichen Umfeld nicht [3].
Die Geräte im Vergleich
| BiWaze Cough | BiWaze Clear | |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | Mechanische Insufflation-Exsufflation (MI-E), aktiver Druckwechsel | Oszillierende Lungendehnungstherapie (OLE), PEP + Oszillation + Aerosol |
| Adressiertes Problem | Fehlender oder zu schwacher Hustenstoß | Sekretmobilisation, Lungendehnung, Atelektase-Prophylaxe |
| Aerosolgabe | Nicht Teil der Kernfunktion laut Gebrauchsanweisung | Integrierter Vibrationsmembranvernebler |
| Atemwegstrennung | Zwei getrennte Gebläse; Trennung im Schlauch mit Dual Lumen Breathing Circuit (Zubehör) | Dual Lumen Breathing Circuit (im Lieferumfang) |
| Einsatz am Beatmungsgerät | – | In-line möglich, nur Akutversorgung |
Quellen: Gebrauchsanweisungen BiWaze Cough [1] und BiWaze Clear [3], Prüfstandsstudie [2].
Wichtig ist: Diese Gegenüberstellung beschreibt zwei unterschiedliche Wirkprinzipien, keine Rangfolge. Welches Gerät für eine bestimmte Patientin oder einen bestimmten Patienten geeignet ist, hängt vom zugrunde liegenden Problem ab, nicht davon, welches Gerät "mehr kann".
Wo beide Geräte zusammen Sinn ergeben können
Aus den jeweiligen Gebrauchsanweisungen lässt sich kein festgelegtes Kombinationsschema ableiten, jedes Gerät ist eigenständig für seine Indikation beschrieben [1][3]. In der klinischen Praxis kommt es vor, dass eine Patientin oder ein Patient sowohl ein Hustendefizit als auch ein Sekret- und Dehnungsproblem aufweist, dann kann grundsätzlich der Einsatz beider Gerätetypen im Behandlungsplan der Fachkraft in Betracht gezogen werden. Eine solche Entscheidung liegt bei der behandelnden Fachkraft und ist nicht durch die Gebrauchsanweisungen vorgegeben.
Was die Dokumentation offen lässt
Beide Gebrauchsanweisungen beschreiben Wirkprinzip, Indikation und technische Ausstattung, geben aber keine pauschale Empfehlung für die Auswahl zwischen den Geräten bei gemischten Krankheitsbildern. Diese Entscheidung bleibt bei der behandelnden Fachkraft und wird am Patienten selbst verifiziert, nicht aus einer Tabelle abgeleitet.
Kontakt für die Praxis
Wenn im Team Unsicherheit besteht, welches Gerät für welches Krankheitsbild passt, oder wenn eine Einweisung am Gerät gewünscht ist: Sprechen Sie uns an. Wir vermitteln gern eine Produktvorführung, eine Schulung vor Ort oder den Kontakt zum zuständigen Fachhändler in Ihrer Region.
Häufige Fragen
Kann ein Gerät das andere ersetzen?
Nein. BiWaze Cough setzt am fehlenden Hustenstoß an (MI-E-Zyklus), BiWaze Clear an Sekretmobilisation und Lungendehnung (OLE-Zyklus). Es handelt sich laut Gebrauchsanweisung um unterschiedliche Wirkprinzipien für unterschiedliche Probleme [1][3].
Kann ich mit BiWaze Clear auch Medikamente vernebeln?
Über den integrierten Vibrationsmembranvernebler. Die Gebrauchsanweisung beschreibt die Verneblung mit Kochsalzlösung [3]; welche weiteren Medikamente zulässig sind, regeln die Gebrauchsanweisung des jeweiligen Marktes und die Arzneimittelzulassung.
Gibt es eine Aerosolfunktion bei BiWaze Cough?
Die Gebrauchsanweisung von BiWaze Cough beschreibt keine Aerosolgabe als Kernfunktion, das Gerät ist auf den MI-E-Zyklus zur Hustenunterstützung ausgelegt [1].
Quellen
[1] BiWaze Cough User Manual EU (Instructions for Use, EU, multilingual), Indikation, MI-E-Wirkprinzip, dualer Atemweg
[3] BiWaze Clear User Manual (Instructions for Use), Indikation, OLE-Wirkprinzip, Vernebler, Atemwegstrennung, US/CE-Regel Vernebler
Hinweis
Dieser Artikel dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Entscheidung. Angaben zu Geräteeinstellungen sind Orientierung; maßgeblich sind die Gebrauchsanweisung des jeweiligen Geräts und die Beurteilung der behandelnden Fachkraft.